Herrn
Professor Dr. Heinrich Bülthoff
Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
Abteilung Wahrnehmung, Kognition und Handlung
Tübingen
(als E-Mail)

 

Betrifft: Pressemitteilung vom 20. August 2009  des                  . Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, Tübingen

„Auf der Suche nach Orientierung"

Mehr dazu: http://www.kyb.mpg.de/de/press/2009/souman.html

 

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Bülthoff,

als ehrenamtliche Mitarbeiterin bin ich an der humankybernetischen Grundlagenforschung des eigenfinanzierten ForschungsteamsKoerner/Ludewig – Berlin beteiligt. Herr Dr. med. Dipl. Ing. Herbert Koerner, praktizierender Orthopäde und Frau Dipl. Päd. Beate Ludewig, Trainerin im Hochleistungsbereich Schwimmen und heutige Bundestrainerin/Nachwuchs, forschen seit Jahren an einer dopingfreien Leistungssteigerung und der damit verbundenen wichtigsten Frage nach dem Ortungs- und Auftriebsverhalten des Menschen. In dieser Arbeit vernetzen sie die Disziplinen biologische Kybernetik, Bionik, Neurophysiologie, Psychologie und Quantenmechanik.
Vorweg sei angemerkt, dass das zuständige Ministerium kein Interesse an dieser effektiven Forschungsarbeit zeigte und die Bitte einer finanziellen Unterstützung, und damit die Ausweitung der Arbeit, abwies. Flexibilität in der Reagenz auf das Engagement Einzelner ist in dem System des bürokratisch verwalteten „Wissenschaftsstandortes Deutschland" nicht vorgesehen. Mit dieser Erfahrung muss man leben.
Frustrierend wirkt allerdings auf mich die Tatsache, dass ein namhaftes, angesehenes, finanziell gefördertes Institut, das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, in einer Pressemitteilung vom 20.8.2009 eine Versuchsreihe als Forschungsnachweis publiziert, in welchem die Wissenschaftler ein sehr simples Bild menschlicher Wahrnehmungsleistungen entwerfen. Schnell kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Richtungsinformationen aus den Sinnesorganen ungenau sind und die Probanden, beim laufen mit verbundenen Augen, mehr oder weniger zufällig kreisförmige Laufstrecken entstehen lassen.
Hier stellt sich die Frage nach dem wissenschaftlichen Fundament einer Forschungsarbeit. Richtig, die zelluläre Feinregulation des menschlichen Körpers ist durch eine direkte physikalische Methode nicht messbar, aber muss man aus diesem Grund in die Extreme des Maschinenzeitalters zurück fallen? Der Mensch ist kein Ding, kein Ersatzteillager. Die Vernetzung der menschlichen Regelkreise ist ein Wunderwerk der Humankybernetik. Wie können Ihre Forscher von „Sinnesorganen" sprechen, wenn sie gleichermaßen die Summation dieser Informationen negieren? Eben diese Summation gibt den Ausschlag der Wahrnehmung. Will man das kreisförmige Laufen orientierungsloser Menschen widerlegen, so ist ein unebenes Gelände denkbar ungünstig für eine reelle Evaluation. Kleinste Unebenheiten des Bodens beeinträchtigen z.B. den „Tastsinn" der Füße, setzen Reize frei, die uns im Gang beeinflussen. Speziell für diesen Versuch hätte man aus diesen Gründen eine absolut ebene, glatte Fläche wählen müssen.
Die genannte Presseerklärung schildert eine sehr grobmaschige Forschung. Es ist nicht ersichtlich, ob die Forscher eine Bilateralität des Körpers, also eine angelegte Asymmetrie der Körperhälften berücksichtigen und somit in Betracht ziehen, dass das kreisförmige Laufen in der Orientierungslosigkeit auch als „Überlebensnavigator" dienen könnte.
Erlauben Sie mir, dass ich in kurzer Form die feinmaschigen Ergebnisse der Gruppe Koerner/Ludewig dagegen stelle. Mit dem Ausschalten der notwendigen Komplexität der Sinnesorgane und dadurch mit dem Ausschluss der Summation der Informationssignale im Versuchlabor werden Sie der Wahrnehmung und kognitiven Leistung des Menschen nicht auf den Grund gehen können. 

Freundliche Grüße

Angelika Würzner