Fachliteratur

 

454 WISSENSCHAFT / RESEARCH Originalarbeit / Original Article

H. Koerner1, C.-H. Siemsen2
Die Bedeutung des Atlas aus der Sicht
der Angewandten Humankybernetik
sowie seiner biomechanischen Belastung
und Funktionsweise

The meaning of the atlas region from the view of applied human
cybernetics and its biomechanical stress and mechanism

Zusammenfassung
Der tägliche Umgang mit der Manuellen Medizin, Osteopathie, Angewandten Humankybernetik im Bereich des Atlas und den positiven Auswirkungen auf unsere Behandlungsergebnisse bei einem großen Diagnosespektrum der Patienten wirft die Frage auf, wie sich die Kraftverhältnisse im Kopfgelenkbereich C0/C1, C1/C2 darstellen. Steuer- und Regelvorgänge in dieser Region sind durch angewandte und theoretische Grundlagen der Humankybernetik nachgewiesen. Besondere anatomisch bedingte Muskelkräfte und Verläufe im Kopfgelenkbereich weisen darauf hin, dass die Gelenkbelastung C0/C1, C1/C2 deutlich geringer sein muss als bislang angenommen. Dieses entspricht auch den Erkenntnissen der Kraftverteilung in Fachwerken und lässt sich über Tensegrity erklären. Die vorliegende Arbeit versucht diese Erkenntnisse
von Humankybernetik und Tensegrity zu verbinden.

Schlüsselwörter: Atlasmedizin, Humankybernetik, Biomechanik, Atlasbelastung, Tensegrity.

Summary
The daily work with manual medicine, osteopathy, applied human cybernetics in the area of the atlas, i.e. the first vertebra, and its favorable consequences for the results of our treatment of patients of a broad diagnostic spectrum raises the question about the relation of forces in the C0/C1, C1/C2 region. The existence of steering mechanisms and controls in this region is well-proven by the applied and theoretical principles of human cybernetics. Under the given anatomic conditions special muscle forces and structures in the region of the vertebrae close to the head joint show that the strain on C0/C1, C1/C2 must be significantly lower than supposed until now. This is in accordance with the knowledge about the distribution of mechanical forces in half-timbering and can be explained by the principles of tensegrity. This article tries to combine the know ledge about human cybernetics and tensegrity.

Keywords: atlas medicine, human cybernetics, biomechanic, atlas load bearing, tensegrity

1 Institut für Angewandte Humankybernetik; Praxis für Orthopädie, Manuelle Medizin, Sportmedizin, Berlin
2 Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Arbeitsbereich Biomechanik der Fakultät Life Science Hamburg; Orthopädische Facharztpraxis Buxtehude, Manuelle Medizin,Sportmedizin, Spezielle Schmerztherapie, Osteopathie
DOI 10.3238/oup.2012.0454–0458

Korrespondenzandresse:
Dr. med. Dipl.-Ing. H. Koerner
Liepnitzstr. 16, 10318 Berlin
koernerdoc@t-online.de

© Deutscher Ärzte-Verlag | OUP | 2012; 1 (11)


 

J. Heisel, Bad Urach
Kopfgelenksfunktionsstörungen –
funktionelles isometrisches Training mit
Hilfe eines ortho-kybernetischen Kissens
AKTUELLES / NEWS Industrie und Handel / Industry and trade 9

Vorbemerkungen

Dysfunktionen der Kopfgelenke sind häufige, teilweise schmerzhafte reversible Störungen mit sehr variabler Klinik; nicht selten sind sie neben lokalen Beschwerdebildern mit Ausstrahlung in den Stirnbereich auch mit vegetativen Dysfunktionen wie Übelkeit, Flimmersehen u.a. verbunden. Die Kopfgelenke im oberen Bereich er Halswirbelsäule unterscheiden sich anatomisch in erheblichem Ausmaß von den übrigen HWS-Segmenten ab C2/C3 abwärts, paravertebrale Bandscheibenpuffer fehlen. Die Konstruktionsanordnung von Dens und Atlas ermöglicht die hohe Bewegungsfreiheit des Kopfgelenksegments C1/C2. Um den Kopf zu tragen, werden Stützlasten, Stoßdämpfung, Scherkräfte und Beweglichkeit in der Atlasregion nur muskulär bewältigt und gesteuert. Dies erklärt das Fehlen von Belastungsarthrosen des Kopfgelenkbereiches. Aus einer Kopfschräglage resultiert aufgrund der typischen Anordnung der Atlasringmuskulatur eine asymmetrische Anspannung, die dann für lokale Schmerzbilder verantwortlich sein kann. Vor allem in Flugzeugen mit enger Bestuhlung, hieraus resultierender eingeschränkter globaler Beweglichkeit bei schräg gestelltem Kopf und schräg gestellter Sitzposition kommt es oft zu einer unphysiologischen statischen und dynamischen Beanspruchung im Bereich der Kopfgelenke. In abgeschwächter Form trifft diese Beanspruchung auch für alle Schrägpositionen der Wirbelsäule zu und ist vom Zeitfaktor abhängig. Die hohe Belastung des Halswirbelsäulenbereiches verstärkt sich bei Kindern durch das noch bestehende Unverhältnis eines bereits schweren Kopfes im Verhältnis zu einer noch schwach ausgebildeten Muskulatur. Therapeutisch stehen bei störenden Beschwerdebildern vor allem die Therapieansätze der manuellen Medizin, Atlastherapie sowie Osteopathie zur Verfügung [1].

Funktionsprinzip/Wirkmechanismus

Das hier vorgestellte, aus stabiler Textilfaser gearbeitete Kissen soll in Kopfruhestellung zu einer variablen Druckverteilung im Bereich der Atlasregion führen. Vom Orthopäden und Diplomingenieur Dr. med. H. Koerner (Leiter des Institutes für angewandte Humankybernetik in Berlin) wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Matherm, Philippsthal, ein spezielles, aus 3 Kammern bestehendes Stützkissen für den Halswirbelsäulenbereich entwickelt (Abb. 1). Primär zur Prophylaxe von Kopfgelenkproblemen für Langzeitflieger gedacht, bewährt es sich zunehmend auch im häuslichen und pflegerischen Bereich. Entscheidend ist hier, dass das Hinterhaupt bis zum Ohr exakt in die mittlere Kammer des Kissens passt und die integrierte, aufliegende Nackenrolle sich der Halslordose optimal anpasst. Die integrierte Nackenrolle ermöglicht durch veränderbare Liegevarianten einen Wechsel von Anspannung und Entspannung der tiefen Beuge- und Streckmuskulatur der Atlasregion mit zusätzlichem Effekt einer isometrischen Beanspruchung für diese empfindlichen Muskelgruppen. Durch einfaches Drehen des Kissens auf die Vorder- oder Rückseite erhöht oder verringert sich in schräger Sitzposition der Druck auf die Atlasregion. Dieses Wechselspiel in der Handhabung bewirkt dann den Effekt eines isometrischen Aufbautrainings der belasteten Muskelgruppen. Das Kissen garantiert in schräger Ruheposition eine ausreichende aktive Beweglichkeit und wirkt gleichzeitig einem extremen Abknicken des Kopfes entgegen. Die Füllhöhe der integrierten Nackenrolle und damit der lokale kraniale Druck auf die obere Halswirbelsäule kann durch Volumenanpassung (variable Füllmenge) exakt dosiert werden.

Abbildung 2 Kopfposition im Nackenkissen

 Abbildung 1 Spezielles Nackenkissen

Durch den Anpressdruck des Kopfes auf die mittlere Kammer stellen sich die beiden lateralen Kissenanteile nach ventral auf, der Kopf kann somit nicht mehr unkontrolliert zur Seite wegrotieren (Vermeidung einer übersteigerten Lateralflexion; Abb. 2). Die Fixierung der Nackenrolle an der mittleren Kammer erfolgt mit einem Klettverschluss.

Einsatzmöglichkeiten

Langes monotones Sitzen führt häufig zu Verspannungen der Nackenmuskulatur, durch die Kopfschräglage wird die Muskulatur im Bereich des Atlas zusätzlich belastet. Diese Erkenntnis liefert die Erklärung für die vermehrten muskulären Irritationen im Bereich der Kopfgelenke bei lange gegebener Bewegungseinschränkung, z.B. bei Langstreckenflügen, bei Bus-, Bahn- und Autoreisen. Aufgrund seiner sehr einfachen Handhabung kommt dieses spezielle Nackenkissen vor allem bei Vielfliegern mit häufigen Beschwerdebildern und Funktionsstörungen im oberen Bereich der Halswirbelsäule zum Einsatz. Zwischenzeitlich hat sich dieses Hilfsmittel auch bei Patienten mit einer chronischen Dysfunktion der oberen
Halswirbelsäule und begleitender vegetativer Symptomatik bewährt (z.B. im Sinne einer HWS-Teilfixierung im Liegen). Für dieses Patientengut wurde eine spezielle variable Füllung (dosierbare Volumenfestigkeit) mit einer auswechselbaren Nackenrolle entwickelt, die einen individuellen, auf jeden Patienten abgestimmten Einsatz erlaubt.

Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. J. Heisel
Chefarzt Orthopädie
m&i-Fachkliniken Hohenurach
Immanuel-Kant-Str. 33
72574 Bad Urach

Literatur
1. Koerner H, Würzner A. Kleiner Impuls
- große Wirkung. Eine Reflextherapie
in der Atlasregion bewirkt Stoffwechselregulation,
Leistungssteigerung,
Schmerzlinderung und psychosomatische
Stabilisation. Orth Prax 2010;
46: 191–201.

2. Heisel J. Physikalische Medizin.
Stuttgart: Thieme, 200

© Deutscher Ärzte-Verlag | OUP | 2012; 1 (10)


 

Link: 4/2010 Seite191-201
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H. Koerner, A. Würzner
Kleiner Impuls - Grosse Wirkung
Eine Reflextherapie in der Atlasregion bewirkt
Stoffwechelregulation, Leistungssteigerung, Schmerzlinderung
und Psychosomatische und Stabilisation

Zusammenfassung
Schlüsselwörter: Atlasmedizin – Humankybernetik – austherapierte Schmerzpatienten – Hochleistungssport

In Abkehr von seiner atlastherapeutischen Ausbildung entwickelte Herbert Koerner unter dem Oberbegriff Atlasmedizin ein völlig neues Behandlungsverfahren, welches den Therapieansatz nicht in der Chiropraktik, sondern in der bioenergetischen Regulation des Körpers sieht. Seit vielen Jahren ist er als Schulmediziner den regeltechnischen Gesetzen der Humankybernetik auf der Spur und belegt Arbeitshypothesen mit Ergebnissen seiner langjährigen humankybernetischen Forschungsarbeit an austherapierten Schmerzpatienten und Hochleistungssportlern. Hierbei geht es um die schrittweise Aufschlüsselung hierarchisch ineinander vernetzter Regelkreise des Regelsystems Mensch, sowohl bei der internen als auch bei der externen Signal- und Informationsverarbeitung. Das ganzheitliche Therapiekonzept der Atlasmedizin bezieht Persönlichkeit und Umfeld der Patienten ein, erklärt die Auswirkungen des hierarchischen Zusammenlebens und fordert die Patienten zur aktiven Selbsthilfe auf. Mit dem TBS-Impuls (temporary- brain- split), einem sanften, auf beiden Körperseiten gesetzten, aber hoch energetischen Richtungsimpuls, wird eine biokybernetische Reflextherapie in der Atlasregion vorgestellt, welche nicht nur den Stoffwechsel reguliert, körperliche und geistige Leistung optimiert, Schmerzen lindert, sondern auch vorrangig die Psychosomatik positiv beeinflusst. Durch den Impuls kommt es nicht nur zu einer Art Reaktivierung der ursprünglichen genetischen Zellfunktion am Ort eines Schmerzgeschehens, sondern auch seelische Spannungszustände, Nervosität und Unruhe in anhaltenden Schmerz-Stress-Spiralen chronisch Kranker lösen sich schlagartig. Erwähnenswert ist, dass die Reaktionen nur auf der behandelten Körperseite eintreffen, der Patient in einer eindeutigen Halbseitenreaktion Schmerzfreiheit, Leichtigkeit und Muskelrelaxation verspürt. In der Forschungsarbeit mit Hochleistungssportlern der Fachsparte Schwimmen konnte durch die Therapie eine Leistungssteigerung in m/sec. nachgewiesen werden. Neben einem gezielten muskulären Trainingsaufbau sind die Erkenntnisse der bilateralen Steuerung von Ortungs- und Auftriebsverhalten unter einer Stresssituation der entscheidende Faktor für diese Leistungssteigerung. Die logische, humankybernetische Herangehensweise an die Funktionseinheiten des menschlichen Körpers ermöglicht ein neues therapeutisches Feld. Die Beschäftigung mit den humankybernetischen Prozessen eröffnet das Verständnis zu komplementärmedizinischen Therapien, indem sie die salutogenen Kräfte des menschlichen Organismus sowie seiner inneren Ressourcen entschlüsselt. Die Erfolge in der Therapie bestätigen die Auseinandersetzung mit der Steuerungs- und Regeltechnik des Körpers. Hierin sieht Koerner einen entscheidenden Zukunftsweg der Medizin.

Small Impulse – Great Effect
Reflex therapy in the atlas region has an effect on regulating the metabolism, increases performance, reduces pain and
stabilizes psychosomatic symptoms.

Summary

Keywords: atlas medicine – human cybernetics – pain patients beyond treatment –
high- performance sport

Turning away from his atlas therapy training, Herbert Koerner developed a totally new treatment – under the generic name of Atlas Medicine. This new treatment involves a therapeutic approach that is not based on chiropractics;
rather is based on bioenergetic regulation of the body. As an orthodox medical practitioner, he has been looking out for principles in human cybernetics for many years, and has backed up his working hypotheses with results from many years of research into human cybernetics on pain patients beyond treatment and on top sports people. The aim is step by step to break down control circuits within the human regulating system that are networked with each other hierarchically, while processing both internal and external signals
and information. The holistic treatment concept of atlas medicine incorporates the personality and environment of the patient, explains the effects of the hierarchical structures involved in living with others, and encourages patients to engage in self-help. Thanks to the TBS impulse (temporary brain split), a gentle, but very energetic directional impulse placed on both sides of the head, a bio-cybernetic reflex treatment in the atlas region has been revealed, which not only regulates the metabolism, optimises physical and mental performance,
and soothes pain; it also has a very positive effect on psychosomatic symptoms. The impulse produces not only a type of reactivation of the original genetic cell function where the pain occurs; it also abruptly alleviates the mental tension, nervousness and disquiet in persistent pain-stressspirals of chronically ill patients. It should be mentioned that the reactions only occur on the side of the body being treated. The patient experiences a significant release from pain, feels light, and has relaxed muscles on one side only. During the research with top swimmers, a considerable increase in performance was achieved in terms of m/sec thanks to this treatment.
In addition to specific muscle training, the findings of the bilateral control of locating and impetus behaviour in a stressful situation are the decisive factor for this increase in performance. The logical, human cybernetic approach to functional units of the human body has fostered the creation of a new area of treatment. Working on human cybernetic processes opens up understanding on complementary medicine treatments by decoding the salutogenic forces of
the human organism and its inner resources. The successes of the treatment confirm the connection between the control and regulatory systems of the body. Koerner sees this as a crucial path for the future of medicine.

Petite impulsion – grand effet:
médecine de l'atlas, cybernétique humaine, patients
souffrant d'algie délaissés par la medicine
traditionnelle, sport de competition

resume

En innovant à partir de sa formation en thérapie de l'atlas, Herbert Koerner a mis au point, sous le terme général de médecine de l'atlas, un traitement totalement nouveau qui envisage l'approche thérapeutique non pas dans la chiropraxie mais dans la régulation bioénergétique du corps humain. Depuis de nombreuses années il interroge, en tant que praticien issu de la médecine traditionnelle, les lois de technique régulatoire de la cybernétique humaine, vérifiant ainsi ses hypothèses de travail par les résultats obtenus depuis des années dans sa recherche en cybernétique humaine sur des patients souffrant d'algies et délaissés par la médecine traditionnelle tout comme sur des sportifs de compétition. Il s'agit ici du décryptage progressif des circuits de régulation du système humain, imbriqués l'un dans l'autre selon une hiérarchie bien établie, pour le traitement des signaux et de l'information tant externe qu'interne. Le concept thérapeutique global de la médecine de l'atlas intègre la personnalité et l'environnement des patients, éclaire les répercussions de la cohabitation hiérarchisée et incite les patients à s'impliquer activement dans la prise en charge d'eux-mêmes. Avec l'impulsion TBS (temporary brain split), une impulsion directionnelle appliquée aux deux côtés du corps, douce mais chargée d'énergie, on propose une thérapie réflexive biocybernétique de la région de l'atlas qui, non seulement, régule le métabolisme, optimise les performances corporelles et intellectuelles en atténuant les douleurs, mais aussi et surtout exerce une influence positive sur le psychosomatique. L'impulsion ne provoque pas seulement une sorte de réactivation de la fonction génétique originelle de la cellule à l'endroit d'un phénomène algique mais elle fait disparaître d'un seul coup les états de tension psychique, de nervosité et d'inquiétude liés aux spirales permanentes de stress et de douleur propres aux personnes atteintes d'un mal chronique. Il est notable que les réactions se manifestent uniquement du côté du corps qui fait l'objet du traitement et que le patient ressent, en une indubitable réaction de la moitié du corps, une libération de la douleur, une légèreté et une relaxation musculaire. Au cours du travail de recherche effectué avec des sportifs de haut niveau (natation), on a pu constater que cette thérapie permettait d'obtenir une amélioration des performances mesurable en mètres par seconde. Outre l'entraînement musculaire spécifique, le facteur décisif de cette amélioration de la performance est la connaissance du contrôle bilatéral du repérage spatial et de l'élan dans une situation de stress. L'approche logique, de cybernétique humaine, des unités fonctionnelles du corps humain ouvre un nouveau champ thérapeutique. L'attention portée aux processus de cybernétique humaine permet de mieux comprendre les thérapies médicales complémentaires parce qu'elle permet de décoder les forces régénerantes de l'organisme humain ainsi que de ses ressources internes. Les succès thérapeutiques confirment le bien-fondé d'une réflexion sur la technique de direction et de régulation du corps.


 

ICCMO EXPRESS
Das wissenschaftliche Organ des ICCMO, Sektion Deutschland e.V
International College of Cranio-Mandibular Orthopedics

ICCMO-Wintertagung 2008 in Würzburg

Ein Nachmittag bei Dr. Koerner

VON JOCHEN GUNKEL

EIN INTERVIEW. Durchgeführt von Dipl. Stom. Jochen Gunkel , Berlin, als Nachlese zu einem Workshop auf der ICCMO-Wintertagung 2008 in Würzburg

Weltumseglung, Schmerzkreislauf, TBS-Impuls: „Wenn ich im Vortrag vor einem neuen Bild stehe, weiß ich noch nicht, welche Schublade ich aufziehe. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten..." Das kalkulierte Risiko in Gestalt des Redners!
Atlasmedizin: Es gibt einen Unterschied zur herkömmlichen Atlastherapie.
"In der Ausbildung bei Dr. Arlen wurde die Stellung des Atlas in den Mittelpunkt der Therapie gerückt. Ich habe gesehen, was ich mir nie vorstellen konnte, dass man auf die Querfortsätze des Atlas draufdrückt und sofortige Schmerzfreiheit in anderen Körperregionen eintritt ..., bis ich in kurzer Zeit festgestellt hatte, dass das so nicht stimmen konnte, da ich oft gar nicht die korrekte Atlasstellung erreicht hatte und trotzdem wurden Beschwerden besser."
Und es gab Kollegen, die die Arlen-Technik mit wenig Erfolg anwendeten. Dr. Koerner gehörte offenbar nicht zu jenen und musste sich zunehmend mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass „...da noch etwas anderes sein müsse, das eine Rolle spielt, so etwas wie Energie."
Das war schwer vorstellbar für den Ingenieur und pragmatischen Schulmediziner, der bekennt, dass ihm Heiler und Gurus eher fremd sind. Heute wird die Atlastherapie unter seriösen Therapeuten als Reflextherapie aufgefasst. Der chiropraktische Eingriff an der oberen Halswirbelsäule spielt dabei keine bedeutende Rolle:
„Obwohl ich bestimmt ein guter Techniker bin, habe ich an diese Atlasverschiebung nie geglaubt. Meine Erfahrungen gehen so weit, dass ich behaupte: man muss die Patienten bei der Impulsgabe in der Atlasregion gar nicht berühren..."

Dr. Koerner hat sich in den vergangenen Jahren nach seiner Weltumseglung mit humankybernetischer Grundlagenforschung beschäftigt, weil alles in der Natur nach den Gesetzen der Kybernetik funktioniert, also gesteuert und geregelt wird.
„Und dabei stellte sich die Frage nach dem Zentrum und das genau ist meine Marschrichtung gewesen... ich habe es in Würzburg mit dem Jumbo erklärt: Ein ganz kleiner Chip steuert eine riesige Maschine. Um am Menschen die komplexen Vorgänge zu verstehen, muss man die gesamte Regelstrecke des Körpers kennen und daran fehlt es im Medizinstandard."
Es wird immer mehr aufgeklärt, viele früher unbekannte Botenstoffe sind heute bekannt und schon spricht man von unbekannten Signalen, die in der Humankybernetik eine Rolle spielen; Dr. Koerner spricht von amateriellen Signalen und stellt die Hypothese auf, dass die Fühler, die für eine perfekte Regulation der komplexen Vorgänge im menschlichen Körper wichtig sind, in der Peripherie postiert sein müssen und stößt so schlussfolgernd auf die Endothelzellen.
„Somit sind für mich die Kapillaren, die Endstrombahnen des Blutes, das Zentrum, das uns steuert. Der Schmerzkreislauf ist geschlossen, weil es einerseits den direkten Weg vom Reizort über die Nervenbahnen zum Gehirn gibt und andererseits über Botenstoffe, wie zum Beispiel Endorphine, ein Signal rückwärts bis zum Ort der Entstehung verläuft und komplexe Mechanismen auslöst. In diesem Sinne ist Schmerz zunächst ein Informationssignal, das im Gehirn ankommt und dann auch ein Steuersignal, das die Vorgänge am Ort des Geschehens reguliert. Die materiellen Botenstoffe werden gleichzeitig als amaterielle Signalleitung rückwärts genutzt. Die Steuerenergie dabei ist eine kleine nicht angreifbare Energie, ... die steuert über die Quanten und das Wasser.
Vergleichen kann man diese Vorgänge mit einem Kraftwerk, dessen Leistungskapazität optimal genutzt werden soll. Der Stromverbrauch wird durch eine kybernetische Rückkopplung aktuell über das Netzwerk angepasst."
Das ist auch die eigentliche Überlegung in der Atlasmedizin.
„Wir haben es hier mit einem Steuerungsprogramm zu tun, das die klassische Physik nicht erklären kann."
Dr. Koerners Atlasmedizin, die sich als ganzheitliches Behandlungsverfahren versteht, hat sich sehr schnell (seit 1986) von der Atlastherapie nach Arlen verabschiedet. Auf die Frage, was den Atlas für therapeutische Eingriffe so interessant macht, antwortet er:
„Es ist nicht der Atlas,..., man misst dem Atlas zuviel Bedeutung bei. Ja, er ist sehr beweglich, hat auch viele Muskeln und viele Funktionen, die Ausdruck einer Krankheit sein können, aber für mich ist er ein mechanisches, ein statisches Teil. Entscheidend ist, dass in diesem Gebiet, eine enge Stelle mit einem Venengeflecht, das bis in den Kopfsinus hineinreicht, alle Informationen zusammenfließen... Mit dem TBS-Impuls (temporär brain splitting impuls) erreiche ich den direkten Zugriff in den biologischen Regelkreis, er bewirkt, auf der Körperseite, auf der er erzeugt wird, ein Gefühl der Leichtigkeit. Diese Seite hebt sich, so als ob die Gravitationskraft diese Körperseite nach oben zieht. Dass sekundär dann auch noch Schmerzen verschwinden, scheint darauf zu basieren, dass im Gehirn gewissermaßen Errormeldungen beseitigt werden. Und dass das keine Einbildung ist, sieht man daran, dass der Impuls einseitig bzw. halbseitig funktioniert. Das Gehirn wird für eine bestimmte Zeit gefühlsmäßig geteilt, die linke Seite weiß in dem Moment nicht, was die rechte macht."
Zum Beweis erwähnt Dr. Koerner Experimente aus der kalifornischen Reihe.
Und wie wird der TBS-Impuls nun ganz genau ausgeführt?
„Ich bringe meinen ganzen Körper energetisch auf Hochtouren, indem ich die gesamte Rückenmuskulatur extrem anspanne und ich lenke meine Konzentration auf den Finger, mit dem ich meinen Patient nur leicht im Bereich des jeweiligen Atlasquerfortsatzes, ca. 2cm unterhalb des Ohrläppchens, berühre."
Dazu gehören die Voruntersuchungen, mit denen Dr. Koerner feststellt, ob die Patienten auch für seine Therapie empfänglich sind. Kontraindikationen bestehen bei Menschen mit schwerwiegenden Herzerkrankungen, psychischen Traumen oder Epilepsie.
Die Wirkungen des TBS-Impulses sind Schmerzlinderung gegebenenfalls auch Schmerzbefreiung und vor allem Stimmungsaufhellung und halten ca. eine Woche an. Und dann beginnt die eigentliche Therapie.
„Der TBS-Impuls ist nur ein einleitendes Bonbon, ... für mich als Therapeut schafft er einen guten Status." Danach kommen vor allem Reiki-Techniken zum Einsatz.
Dr. Koerner beginnt mit seiner atlasmedizinischen Behandlung dort, wo der Eigenheilungsprozess des Körpers blockiert ist.
„Und was ich erreichen möchte ist, dass die Menschen sich wieder auf Dinge besinnen, die schon durch unsere Vorfahren erfolgreich angewendet wurden, dass man nicht, wie heute üblich, die Selbstheilung des Körpers ständig gängelt...dazu gehört, dass ich die Patienten befähige, selbst die Signale ihres Körpers zu erkennen und zu hinterfragen. Der Schmerz ist eines dieser Signale, er ist ein Warnsignal, es sagt:
Bitte kümmere dich um mich!"